Wie wir zusammen leben wollen
Einiges hier ist freilich noch “Zukunftsmusik”, da wir noch nicht zusammen wohnen.
Doch bei unseren Treffen und gemeinsamen Wochenenden können wir vieles davon im
Umgang miteinander erproben und erleben.
- Eine Wahlfamilie braucht viel Gelegenheit Beziehungen entstehen zu lassen, viel Zeit und Raum zum Kennenlernen und Vertrauen aufzubauen. Freundschaften sind der wichtigste Bestandteil unserer Gemeinschaft.
- Ein gemeinsames Ziel. Wir sind uns bewusst, warum wir miteinander leben wollen, ein gemeinsammer Nenner, dem alle zustimmen. Keine Dogmen!
- Ein- und Ausstieg sind frei und unkompliziert möglich. Keine “Auswahlverfahren”. Die Entscheidung, komme ich dazu, bleibe ich dabei, und wie lange, kann nur jede/r für sich selber treffen. Die bestehende Gruppe kann sagen: "Wer uns will, der hat sich für was Gutes entschieden und ist uns willkommen. Wenn er/sie gehen will, ist es OK."
- Projektmanagement dient als Methode für den gesamten Prozess, vom Finden der GemeinschaftspartnerInnen, über das Organisieren des Kennenlern-Prozesses bis zum Suchen bzw. Errichten der gemeinsamen und individuellen Lebensräume.
Zusätzlich sind Intuition und gute Ideen immer gefragt, aber auch fundiertes Wissen, Organisationstalent, Geschick, Vertrauen, Geduld und unbezahlte Zeit ....
- Gemeinschaftsräume sind das Herzstück jeder Gemeinschaft. Hier muss genügend Platz sein für alle gemeinschaftlichen Bedürfnisse ans Leben, die alltäglichen und die besonderen.
- Individualität und Privatsphäre müssen respektiert werden und sich in den Räumlichkeiten ausdrücken. Das heißt, jede/r Erwachsene braucht ein eigenes Zimmer, oder sogar eine eigene Wohnung.
- Bedürfnisse des/der Einzelnen ernst nehmen. “Was das Herz begehrt” darf ausgedrückt und gesehen werden. Gemeinsam schauen wir dann, wie wir helfen können, das Bedürfnis zu befriedigen.
- Es nützt uns, Vertrauen zu haben in den/die Einzelne/n, so wie er/sie ist; keine zu hohen Erwartungen in seine/ihre Fähigkeiten; Respekt vor den individuellen Grenzen und der Intimsphäre.
- Alles geschieht freiwillig. Jede/r ist selbst dafür verantwortlich, was er/sie will, tut oder nicht will. Verbindlichkeit ist eine Folge von Beziehung und ist nicht durch Regeln herbeizuführen.
- Kerngruppe. Eine genügend große Zahl reifer, verantwortungsbewusster Erwachsener, die selbst gut für sich sorgen können, ihren Lebenssinn bereits gefunden haben und aus dem Vollen schöpfen. Erst an diese Gruppe können sich dann Menschen anschließen, die Versorgung, Unterstützung oder Zugehörigkeit suchen.
- Altersdurchmischung. Kinder und alte Menschen brauchen sich gegenseitig. Und alle brauchen die kräftige Gruppe im mittleren Alter.
- Leben in Wohngruppen. Größere Gemeinschaften profitieren, wenn das unmittelbare Zusammenleben in kleineren, selbst gewählten Wohngruppen, von 5 - 8 Erwachsenen stattfindet. Kinder finden dort ihre ""Wahlonkel und -tanten" in einer überschaubaren Gruppe, gemeinsame Interessen und Rituale (gemeinsames Essen, Meditieren, ein Projekt) schaffen eine intimere Zugehörigkeit und damit die notwendige Privatheit und familiäre Geborgenheit.
- Fördern einer liebevollen, offenen Grundhaltung - Kompromissbereitschaft, Toleranz, Verständnis, Friedfertigkeit, Gelassenheit, Freude an der Begegnung, Bereitschaft zu Konfliktbearbeitung, etc.
- Kommunikationsfähigkeit. Einige sollten sie schon haben. Das färbt dann auf die Anderen ab. Wenn wir achtsame Ehrlichkeit miteinander üben, können wir uns gegenseitig viel besser kennen lernen. Jede/r hat dann die Chance, etwas zu lernen.
- Besprechungsstrukturen in denen jede/r sich einbringen kann und sich gehört fühlt. Themen sollen in kleinen Arbeitsgruppen vorbereitet und dann mit allen diskutiert werden. Es hat große Bedeutung für das Finden des eigene Lebenssinns, wenn man einen gestaltenden Einfluss auf die Prozesse in der Gemeinschaft hat und "MitschöpferIn" sein kann.
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- Konsens bei allen Entscheidungen, von denen man betroffen ist. Jede/r entscheidet immer für sich selbst. Im Gespräch gewinnen wir Verständnis für andere Standpunkte und suchen nach eine gemeinsamen Lösung. Das klingt nur schwierig, solange man nicht die besondere Tragfähigkeit von Entscheidungen kennen gelernt hat, bei denen niemand übergangen wurde. Ein bisschen Geduld und das Vertrauen in die größere Weisheit einer Gruppe, sind hilfreich.
- Bereitschaft, sich Konflikten zu stellen und sie als Chance zum besseren Verständnis und damit zur Weiterentwicklung zu nutzen. Ständige Rückkoppelung im direkten menschlichen Kontakt, regelmäßige Reflexion, Supervision und bei Bedarf, Konfliktmanagement wenn´s brennt.
- Mutiger Umgang mit Tabu-Themen. Was nicht offen angesprochen werden kann, gärt unterm Teppich vor sich hin. Lieber sollte man ein Treffen zum Thema "Umgang mit Sexualität unter den Gemeinschaftsmitgliedern" durchführen, als dass man riskiert, ein paar wunderbare Menschen aus der Gruppe zu verlieren!
- Jede Gemeinschaft, die in unserem Verein entsteht, erarbeitet sich ihre Regeln selber, wenn sie welche braucht. Diese müssen sich flexibel an alle Veränderungen anpassen lassen und auch wieder abgeschafft werden, wenn sie keinem mehr dienen.
- Unterstützen der Paarbeziehungen. Die ganze Gemeinschaft gewinnt, wenn die Paarbeziehungen gelingen, daher fühlen wir uns mitverantwortlich, stehen beratend zur Seite und ermöglichen dem Paar Freiräume, wo es ohne Störungen und frei von Pflichten seine Beziehung pflegen kann.
- Unterstützen der Eltern. Die erlebte Entlastung beim Aufziehen der Kinder und die Beratung durch Gemeinschaftsmitglieder kann dem Elternpaar helfen, seine Liebesbeziehung trotz gemeinsamer Kinder weiter zu entfalten. Wir betrachten beide Elternteile als autonome, eigenverantwortliche Einzelpersonen, die sich jeweils mit ihren Fähigkeiten und Eigenheiten ins Gemeinschaftsleben einbringen. Wenn die Grenzen des kleineren Systems "Familie" genügend durchlässig sind, sind Vernetzung und Zusammenarbeit mit den anderen Mitgliedern der Gemeinschaft möglich.
- Im Falle des Endens einer Liebesbeziehung unterstützen wir die beiden Elternteile, eine freundschaftliche, kooperative Beziehung zu entwickeln, sodass die Kinder ihr soziales Umfeld und beide Eltern behalten können.
- "Um ein Kind aufzuziehen braucht man ein ganzes Dorf" diese afrikanische Weisheit sehen wir verwirklicht, wenn Kinder in der Gemeinschaft die Wahlfreiheit haben, sich neben den eigenen Eltern eine/n oder mehrere "Mentoren" oder eine "Wahl-Oma" zu suchen, und wenn Kinder mit mehreren Kindern und in gesunder Umgebung aufwachsen können.
- Jugendliche brauchen die Möglichkeit Autonomie einzuüben. Das ermöglichen wir ihnen durch eigene Räume, in denen sie "in Ruhe gelassen werden" und für die sie so weit als möglich auch selbst verantwortlich sind.
- Männer und Frauen brauchen die Gelegenheit, sich immer wieder in der eigenen Geschlechtsgruppe rückverbinden zu können. Das vertieft das Verständnis der eigenen Identität, und daraus erwächst Achtung für das andere Geschlecht. Gefühle und Gedanken können leichter ausgedrückt und dann formuliert werden, wenn sie zuerst im Schutz der eigenen Geschlechtsgruppe auftauchen durften.
- Gemeinschaftsstiftende Rituale, wie gemeinsame Mahlzeiten, Feiern von Lebensabschnitten, Jahreszeitenfeste, gemeinsame Aktivitäten.
Rituale schaffen die Gelegenheit, sich in einem nichtalltäglichen Rahmen zu begegnen und sich auf einer tieferen Ebene noch besser kennen zu lernen.
- Gemeinsames Arbeiten - etwas miteinander zu tun zu haben. Das stärkt die gemeinsame Identität und erlaubt uns, uns gegenseitig besser kennenzulernen. Es fördert Vertrauen und Lebensfreude.
Erfolgserlebnisse wie auch Enttäuschungen werden so zur Bereicherung für alle.
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- Offenheit gegenüber der Umgebung. Einbinden der Nachbarschaft und der relevanten Kooperationspartner. Öffentlichkeitsarbeit. Berücksichtigen der gewachsenen Kultur in die man als "Fremdkörper" "einwandert". Respekt vor dem kulturellen und geografischen Raum, in dem man eine Heimat finden will.
- Was auch noch hilft, ist ein Erfahrungsaustausch und/oder eine laufende Kooperation mit anderen Gemeinschaften.