Der Grün-Preis 2003
Thema: Oberösterreich im Jahre 2010
Der Grün-Preis ist eine mit jeweils 1000€ dotierte Anerkennung der oberösterreichischen GRÜNEN, alljährlich gestiftet von deren Vorsitzenden, Rudi Anschober. 2003 wurden sechs Projekte ausgezeichnet, eines davon war das unseres Vereins.
Die Einreichnung zum Grün-Preis ist die bislang ausführlichste Darstellung der Ziele des Vereins "Leben in Gemeinschaft", deren geplanten Verwirklichung und erwarteten Auswirkungen. Diese Dokumentation spiegelt den Stand per Frühjahr 2003 wider.
Inhaltsverzeichnis
| Zielsetzung / Übersicht | |||
Teil I Vorbereitung und Konzipierung eines Ökodorfes in Oberösterreich als Pilotprojekt |
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| 1. Geschichte der Idee | |||
| 2. Konzept | |||
| 3. Detailaspekte der geplanten Umsetzung | |||
| 4. Ausgangslage in Oberösterreich | |||
Teil II Möglichkeiten der Anwendung der enthaltenen Grundsätze auf das zukünftige Leben in Oberösterreich |
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| 5. Strategien für die Zukunft | |||
| 6. Gesetzliche Änderungen | |||
| 7. Auswirkungen auf das Leben in Oberösterreich | |||
| 8. Literaturliste | |||
| Grundberufe und Weiterbildungen der Vereinsmitglieder | |||
| Das Einreichungsteam | |||
Projekt-Einreichung des Vereins - Leben in Gemeinschaft
Zielsetzung:
Es soll in Oberösterreich ein Ökodorf, in dem Gemeinschaft gelebt und erlebt werden kann, als Pilotprojekt errichtet werden, mit dem Ziel, weitere solcher und ähnlicher Projekte folgen zu lassen.
Längerfristiges Ziel ist es, die Idee von gelebter Gemeinschaft in und mit der Natur in Oberösterreich durchgängig umzusetzen, das heißt, sowohl in der zukünftigen regionalen, ländlichen Entwicklung, als auch in bestehenden städtischen Wohnfeldern.
Das eingereichte Projekt des Vereins "Leben in Gemeinschaft" besteht aus zwei Teilen:
Übersicht:
Teil I Vorbereitung und Konzipierung eines Ökodorfes in Oberösterreich als Pilotprojekt.
Erste Umsetzungsschritte für das Pilotprojekt, wie Ansuchen um Wohnbauförderung, Suche nach Bauträgern und passenden Objekten, sind bereits im Gange, sollen aber nicht Gegenstand des eingereichten Projektes sein.
Teil II Möglichkeiten der Anwendung der enthaltenen Grundsätze auf das zukünftige Leben in Oberösterreich.
Aufgrund der gesellschaftlichen Ausgangslage, Entwicklung von drei möglichen Strategien und deren gesetzlicher Umsetzung in der Zukunft:
| Strategie A: | Biotope in der Natur für Menschen |
| Strategie B: | Leben in Gemeinschaft auch in bestehenden und neuen städtischen Wohnanlagen |
| Strategie C: | Handeln und Wirtschaften innerhalb der Gemeinschaft |
Teil I
Vorbereitung und Konzipierung eines Ökodorfes in Oberösterreich als Pilotprojekt
1. Geschichte der Projekt-Idee
Ausgangslage
Zwei Frauen, H., die ihren Sohn (geb. 1983) bereits ab dem Ende des ersten Lebensjahres alleine aufziehen musste, und B., die auch zuerst mit ihrer Tochter (geb. 1975) alleine war, dann 1980 heiratete und noch zwei Söhne zur Welt brachte (geb. 1983 und 1985), die Ehe wurde 2000 geschieden.
Die beiden Frauen sind seit 1978 befreundet. Dass ein Leben in Gemeinschaft mit der Freundin vieles erleichtert hätte, war uns während all der Jahre immer klar gewesen. “Um ein Kind aufzuziehen braucht man ein ganzes Dorf”. Hätten wir uns rechtzeitig zusammengetan und diese afrikanische Binsenweisheit schon gelebt, dann hätten wir uns gegenseitig in der schwierigen Kinderaufziehphase wesentlich entlastet und dadurch wären die Paarbeziehungen vielleicht langlebiger gewesen.
Initiationsphase 2000 / 2001
Nachdem es zuletzt zunehmend mehr Frauen und Männer mit diesem oder ähnlichem Schicksal im Umfeld gab, beschlossen wir, die Idee des “Dorfes” konkret werden zu lassen. Im Herbst 2000 trafen sich erstmals 10 15 Menschen mit dem Ziel, ein generationenübergreifendes Leben in Gemeinschaft miteinander zu planen. Zu den regelmäßigen Treffen kamen von Beginn an Menschen jeder Altersgruppe, Alleinerziehende, Familien, Paare, Singles, und SeniorInnen. Die älteste beteiligte Person, die auch heute noch mit dabei ist, ist 86 Jahre alt.
Objektsuche 2001
So entstand die Notwendigkeit, einen Verein zu gründen.
Vereinsgründung Juni 2002
Mit 18. Juni 2002 ist die Nicht-Untersagungs-Erklärung der Vereinsbehörde datiert. Der Verein Leben in Gemeinschaft war geboren. Der monatliche Vereins-Treff für Interessierte wurde eingerichtet. Gleichzeitig entstand auch das Bewusstsein, dass das geplante Zusammenleben, das nebenbei auch naturnah und nachhaltig konzipiert sein sollte, für jede/n Teilnehmende/n genauso erschwinglich sein sollte, wie das derzeitige Leben. Mieten statt besitzen heißt die Lösung. Als Verein sind wir nun auch ein ernstzunehmender Kooperationspartner für gemeinnützige Wohnungsgenossenschaften.
Kennenlernprozess
Den notwendigen Rahmen zum Kennenlernen bildet der monatliche Vereinstreff. Die Gruppe wächst derzeit ausschließlich durch Mundpropaganda. Wer sich darin wohl fühlt, fragt gewöhnlich in seinem Freundeskreis, ob jemand auch Interesse an so einer Lebensform hätte.
Im Kennenlernprozess finden und entwickeln sich Gemeinsamkeiten. So entsteht eine gemeinsame Identität ganz von selbst. Bei jedem Schritt in Richtung Verwirklichung gibt es für jede/n Einzelne/n die Gelegenheit, sich noch deutlicher zu definieren, sodass in diesem Prozess bereits wichtige Regeln und Umgangsformen gemeinsam entwickelt werden können.
Seit Anfang dieses Jahres verbringen die zukünftigen BewohnerInnen des Ökodorfes vierteljährlich gemeinsame Wochenenden auf verschiedenen Hütten in der Umgebung von Linz.
Objektsuche 2002
Seit November 2002 ist der Verein wieder intensiv auf Objektsuche.
Vereinstätigkeit
Zur Zeit (Mai 2003) hat der Verein 13 Mitglieder und ungefähr doppelt so viele InteressentInnen. Werbung wurde bisher bewusst nicht betrieben, da aus unserer Erfahrung viele Menschen zuerst den Ort des Zusammenlebens kennen müssen, bevor sie sich für eine verbindliche Teilnahme entscheiden. Daher wird eine Erweiterung des Personenkreises erst angestrebt, wenn der Standort fixiert ist.
Ein Vereinsfalter wurde erstellt und die Vernetzung mit anderen österreichischen Ökodorf-Initiativen und dem GEN-Europe (Global-Ecovillage-Network) intensiviert. Voranfragen um Förderungen sowie Verhandlungen mit Wohnungsgenossenschaften und Grundbesitzern sind im Gange. Ein konkretes Objekt steht bereits in Aussicht.
2. Konzept
Verein "Leben in Gemeinschaft" Errichtung eines Ökodorfes bei Linz
Definition “Ökodorf”
Ökodörfer sind kleine, ländliche und städtische Gemeinschaften, die versuchen, kooperative soziale Beziehungen mit einer ökologischen Lebensweise zu verbinden. Ökodörfer bemühen sich um die Erneuerung lebenserhaltender Systeme, um die Förderung der Entfaltung jedes einzelnen Menschen und um die Erforschung einer Lebensweise, die der Harmonie zwischen den Menschen und des Menschen mit der Natur förderlich ist. (Quelle: EUROTOPIA)
Im Gegensatz zu Öko-Siedlungen, in denen lediglich der baubiologische Aspekt verwirklicht wird, zeichnen sich Ökodörfer dadurch aus, dass sie neben dem ökologischen Aspekt auch den kommunikativen, zwischenmenschlichen Bereich abdecken.
In Österreich ist den Verfassern derzeit kein vergleichbares Projekt bekannt, das die Bezeichnung Ökodorf verdient. Es gibt jedoch einige Öko-Siedlungen.
Eine dörfliche Struktur, in der eine Kultur des förderlichen Umgangs miteinander entwickelt wird, soll Isolation und Vereinzelung entgegen wirken. Nachbarschaftshilfe und gegenseitige Unterstützung sollen speziell für die Betreuung von Kindern und älteren Menschen Synergieeffekte erzeugen, die zu einer Verbesserung der Lebensqualität aller dort lebenden Menschen führen sollen. Gemeinschaftsräume, drinnen und draußen, für gemeinsame Arbeit, Begegnung und Muße bieten das Feld, in dem Gemeinschaft entstehen und gelebt werden kann.
Die Gemeinschaft soll auch ein Ort der Geborgenheit für einige stärker benachteiligte Menschen sein, die sonst ausgeschlossen am Rande der Gesellschaft leben müssten. (Siehe dazu auch die Ausführungen)
Errichtung durch eine oberösterreichische Wohnungsgenossenschaft.
Durch die Zusammenarbeit mit einer oberösterreichischen Wohnungsgenossenschaft soll die Umsetzung auch für jene Menschen ermöglicht werden, die nicht über Eigenkapital verfügen. Die Wohnungsgenossenschaft soll im Sinne ihres üblichen Arbeitsverständnisses, die Wohnanlage entsprechend den individuellen Wünschen und finanziellen Möglichkeiten der zukünftigen BewohnerInnen errichten und dann an diese vermieten.
Baubiologisches und ökologisches Wissen soll sowohl bei der Errichtung der Gebäude als auch bei der Abwasserbeseitigung, Energiegewinnung und Regenwassernutzung angewendet werden.
Um Wohnbaufördermittel, Energiesparförderungen und sonstige Fördermittel soll angesucht werden. Bei der Wahl des/der ArchitektIn ist darauf Wert zu legen, dass diese/r Erfahrung in ökologischem Bauen hat.
Förderung durch Haus der Zukunft BMVIT.
Angestrebt wird eine Zusammenarbeit mit dem Forschungsprogramm “Haus der Zukunft” beim BMVIT (www.hausderzukunft.at). Zu diesem Zweck soll ein Projektteam gegründet werden, das sich wie folgt zusammensetzt:
Vernetzung und Zusammenarbeit
mit anderen europäischen Ökodörfern und Initiativen
im Rahmen des weltweit tätigen “Global Ecovillage Networt” GEN, des europaweit tätigen GEN-Europe, und im Rahmen von Eurotopia, das vor allem im deutschsprachigen Raum sehr aktiv ist.
Es bestehen auch bereits intensive Kontakte zu österreichischen Initiativen in anderen Bundesländern. An einer österreichweiten Kooperation und Dokumentation wird bereits gearbeitet (Stichwort “Austrotopia”)
Ein für die Realisierung dieses innovativen, generationenübergreifenden Gemeinschaftswohnprojektes geeignetes Objekt, in mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbarer Nähe zu Linz, das 20 bis 30 Haushalte beherbergen kann, mit einer Landfläche von 3 8 ha wird gesucht.
Soziale, ökologische und ökonomische Aspekte sollen dort verwirklicht werden.
3. Detailaspekte der geplanten Umsetzung
Soziale Aspekte
1. Die Dorfgemeinschaft
Eine Dorfgemeinschaft braucht Räume, wo Gemeinschaft gelebt werden kann. Viele gute Ansätze in diese Richtung sind beim Bau von größeren und kleineren Wohnanlagen schon ausprobiert worden. Ein Veranstaltungsraum für Geburtstagsfeste, Kellerräume für Partys, überdachtes Atrium als gemeinsamer Innenraum, und vieles mehr. Werden diese Anlagen bezogen, haben die BewohnerInnen, die meist im selben Alter sind (Jungfamilien mit Kindern) viel Freude daran, die Gemeinschaft zu pflegen. Immer wieder findet sich jemand, der dazu einlädt, sich im Gruppenraum zu treffen. Besonders die Kinder profitieren von gemeinschaftsfördernden Außenanlagen. Wer solche Projekte kennt, weiß aber auch, dass sie sich nach wenigen Jahren “leerlaufen”. Das Interesse aneinander nimmt ab, niemand hat mehr Lust, die Initiative zu ergreifen. Die Kinder werden größer und auch sie suchen sich in der Pubertät oft andere Kreise, außerhalb ihrer Wohnanlage. Nach mehreren Jahrzehnten bleiben dann sogenannte “überalterte” Wohnanlagen zurück, in denen nur noch ältere Menschen, womöglich jeweils allein in ihren Wohnungen leben.
Menschen nachhaltig dafür zu gewinnen, miteinander in gemeinsamen Räumen zu leben, braucht “belebte Gemeinschaftsräume”. Ein nicht belebter Gemeinschaftsraum übt nach kurzer Zeit keinerlei Anziehungskraft mehr auf die BewohnerInnen aus. Als Beispiel kann die “Kneipe um die Ecke” dienen. Gäbe es dort keine anwesende Wirtin, würde kein Mensch sich dorthin bewegen. Daher muss ein Ökodorf, in dem Gemeinschaft gelebt werden soll, über so etwas wie ein oder mehrere gemeinsame “Wohnzimmer” verfügen, in denen gemeinsam gekocht, gegessen, getanzt, gefeiert und gelebt wird. Es muss “mein” Wohnzimmer sein, mit “meinem” Kachelofen und “meiner” gemütlichen “Kuschel-Ecke”, groß genug, dass 20 Menschen hier zusammen essen können, oder spielen, oder singen können. Oder es muss “deine” Bibliothek sein, in der ich “dich” finde, wenn ich mir ein Buch ausleihen oder in Ruhe lesen will. Es muss “unser” Garten sein, den wir gemeinsam angelegt haben, und “unsere” Feuerstelle, an der wir im Sommer oft zusammensitzen und übers Leben reden.
So entsteht ein Dorf. Nicht am Reißbrett eines unbekannten Technikers, errichtet von unbekannten Bauarbeitern, und wenn alles fertig ist, werden die “passenden” BewohnerInnen gesucht. Nein, “wir” gestalten “unser” Dorf selbst, nach “unseren” Vorstellungen und so weit als möglich in gemeinsamer Arbeit! So entsteht ein “Dorf” und ganz nebenbei auch die Gemeinschaft!
2. Synergieeffekte, wie gegenseitige Unterstützung bei Betreuungsaufgaben
Leben in altersgemischten Gemeinschaften (generationenübergreifend) ist sinnvoll und aus soziologischer Sicht gesundheitsfördernd für alle Beteiligten.
Kinder und ältere Menschen haben in der derzeitigen Gesellschaftsstruktur kaum mehr einen Zugang zueinander. Frauen sind auch als Mütter und Großmütter weitgehend gezwungen, mehr Zeit als sie möchten mit Erwerbsarbeit zu verbringen. Kinder werden dadurch immer öfter in “Spezialeinrichtungen” untergebracht, wo sie ausschließlich mit Gleichaltrigen unter Aufsicht von professionellen Kindergärtnerinnen oder Erzieherinnen den Tag verbringen.
Ebenso verfährt man auch mit den alten Menschen, die, in Ermangelung von verfügbarer Zeit, nicht von den eigenen Angehörigen versorgt werden können und statt dessen in Heimen mit Gleichaltrigen untergebracht werden, abseits von Familie und Enkelkindern. Dadurch entstehen unnatürliche Berührungsängste was in der Folge zu weiterer Distanz zwischen den Generationen führt.
Kleinere Kinder, bis ins Alter von etwa 6 Jahren, haben einen sehr natürlichen Umgang mit alten Menschen und suchen von sich aus deren Nähe und Körperkontakt. Sie genießen die Geborgenheit und Gelassenheit, die von älteren Menschen ausgeht. Der alte Mensch seinerseits, hat oft nicht mehr die Kraft zur Arbeit, was jedoch lange erhalten bleibt ist die Fähigkeit, sich mit einem oder zwei Kindern zu beschäftigen und diese zu beaufsichtigen.
Dass diese, gesellschaftlich wichtige Aufgabe nun schon seit mehreren Generationen fast ausschließlich an bezahlte Profis delegiert wird, ist ein Verlust sowohl für die Kinder als auch für die alten Menschen.
Das generationenübergreifende Leben in Gemeinschaft soll die Begegnung miteinander wieder möglich machen und den ursprünglichen natürlichen Zweck des Älterwerden, nämlich über die Lebensmitte hinaus, nach der eigenen Kinderaufzieh- und Erwerbsphase, für Aufgaben in der Gemeinschaft zur Verfügung zu stehen, wieder ermöglichen.
Das Aufziehen von Kindern allein, oder in einer Zweierbeziehung wird, trotz Inanspruch-nahme von Kinderbetreuungseinrichtungen, von vielen Menschen als Überforderung erlebt. Das Einbeziehen der älteren Generation wirkt entlastend für die Eltern und kann so mithelfen, einige der Ursachen für die hohen Scheidungsziffern zu reduzieren. (Zeitmangel, Stress, gegenseitige Erwartungshaltung, Überforderung)
In diesem Sinne entwickelt sich eine Form “sozialer Kontrolle” als natürliches Phänomen, wie wir es aus funktionierenden Gemeinschaften kennen. Die Delegation dieser Aufgaben an zentrale, übergeordnete Institutionen (Jugendämter, Sachwalter, Sozialberatungsstellen) wird weitgehend überflüssig.
3. Synergieeffekte, wie Fahrgemeinschaften etc.
Es gibt bereits viele Erfahrungen mit Car-Sharing. Das wichtigste Problem, das viele Menschen noch daran hindert, diese umweltfreundliche und geldsparende Alternative zum eigenen Auto zu wählen, liegt in der Entfernung der Wohnung zum Auto-Abstellplatz. In einer Dorfgemeinschaft fällt dieses Problem weg. Indem sogar mehrere, verschiedene Fahrzeuge gemeinsam benützt werden können, steht sogar immer die gerade sinnvollste Variante (Kleinbus, Überland-PKW oder Kurzstrecken-Solarauto) zur Verfügung. Das stets mitgeführte Kilometerbuch gibt Aufschluss über die gefahrenen Strecken und somit über die Aufteilung der Kosten. Ein zuständiger, kompetenter Betreuer des Wagenparks, der auch Mitglied der Gemeinschaft ist, sorgt für die ständige Wartung und Pflege.
Auch mit Waschmaschinen, Staubsaugern, Fahrrädern, Kinderfahrzeugen, Rasenmäher und Werkzeug aller Art, kann man in ähnlicher Weise verfahren. Die unverzichtbare Grundlage aller gemeinsam genutzten Geräte und Anlagen ist ein gutes Gesprächsklima und die Konsensbildung in allen Belangen. Weiterbildungen für alle BewohnerInnen in Kommunikations- und Konfliktfähigkeit sollen dafür die Grundlage bilden. Wenn es dann noch “zwickt” kann Supervision von der Gruppe in Anspruch genommen werden.
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4. Gemeinsames Arbeiten zur Selbstversorgung so weit als möglich.
“Selbstversorgung” in einer Gemeinschaft bedeutet nicht nur die eigene, individuelle Versorgung, sondern immer auch die Versorgung aller Mitglieder durch die Mitglieder. Besonders Frauen nach der Phase des Kindergroßziehens begeistern sich für die Idee des generationenübergreifenden Lebens in Gemeinschaft. Viele von ihnen sind nicht, oder nicht mehr berufstätig und erhoffen sich durch das Zusammenleben wieder neue, sinnvolle Aufgaben zu finden. Ist die Sorge um die eigenen Kinder nicht mehr nötig, entwickelt der reife Mensch das Bedürfnis, für die Gemeinschaft zu sorgen!
Immer wieder leiden auch Männer unter Arbeitsbedingungen, die keinen Bezug zum eigenen Lebenssinn mehr haben. Nur um des Geldes willen “irgendetwas” zu arbeiten, befriedigt selten. Die Möglichkeit, sich direkt an der Selbstversorgung für die Gemeinschaft zu beteiligen, stellt eine Arbeitsmöglichkeit dar, die sich viele Menschen wünschen. Nicht Vermarktung der Produkte ist das Ziel, sondern selber gut satt werden, durch gesunde, selbst erzeugte Lebensmittel. In vergleichbaren Gemeinschaften (Großkommune Niederkaufungen) gibt es aufgrund der Selbstversorgungsmöglichkeit keine Arbeitslosigkeit mehr und keine sozialen Notfälle.
Das Betätigungsfeld, das ein Leben in Gemeinschaft mit Permakultur-Garten zur Selbstversorgung und in der gegenseitigen Hilfe bietet, ist vielfältig.
Arbeiten zur eigenen Lebensgestaltung in Gemeinschaft mit anderen Menschen zu verrichten, macht erfahrungsgemäß wesentlich mehr Spaß, als wenn man dies alleine tun müsste. Sogar Fensterputzen kann zu einem geselligen Ereignis werden, wenn jeweils mehrere Menschen gemeinsam die Fenster einer Wohnung putzen.
Dazu eine kleine Geschichte: Eine Mitbewohnerin, die ganztags berufstätig ist, wird es genießen, nach der Berufsarbeit in diese schön bereitete Umgebung heimzukommen, kurz im Teich zu schwimmen, um dann erst die dreijährige Tochter von der Wahl-Oma im ersten Stock abzuholen. Wer weiß, ob die Kleine überhaupt jetzt heimgehen will, denn schließlich will sie der “Oma” auch noch beim Kuchenbacken helfen, weil ja ihre Freundin auch noch hier bleiben darf. “Ruh´ dich zuerst aus! Ich bring´ sie dann! Du kannst sie heute auch bei mir schlafen lassen, wenn du noch was vor hast.” Was die Wahl-Oma hier anbietet, kann man gar nicht wirklich als “Arbeit” bezeichnen das ist “Leben”. Oft braucht es nicht einmal eine sog. “Gegenleistung”. Die Alternative für die ältere Frau wäre, alleine, ohne gebraucht zu sein, in einer Stadtwohnung zu leben. Durch die gegenseitige Unterstützung entsteht Lebensqualität.
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5. Jahreszeitenfeste und andere gemeinschaftsfördernde Aktivitäten
Kirchliche Institutionen, Sportvereine oder andere kulturelle Gemeinschaften sind, wegen ihrer spezialisierten Interessensschwerpunkte, zur unterstützenden Gemeinschaftsbildung in der engeren Wohnumgebung kaum geeignet. Kulturelle Veranstaltungen der örtlichen Vereine, wie Maibaumsetzen und Weihnachtsmärkte, bieten zwar eine Möglichkeit für Begegnung, lebensbegleitende, unterstützende Netzwerke bilden sich aber selbst bei sehr regem Vereinsleben selten. Nach dem Motto: “Sobald die Ehe geschieden ist, scheidet sich auch der Freundeskreis”. Nur wenige Menschen haben in unserer Kultur die Möglichkeit, in einer stabilen sozialen Bezugsgruppe ihre Lebenskrisen und Lebensübergänge zu durchleben. Zum Gefühl, persönlich überfordert zu sein, gesellt sich eine tiefe Enttäuschung über nicht erhaltene Hilfe, was Entfremdung und Distanz zwischen den Menschen weiter verstärkt.
In den vergangenen Jahrzehnten hat sich aufgrund dieses Defizits die “Psychoszene” entwickelt. Psychotherapeuten haben sich etabliert und Handlungsansätze entworfen, die das Funktionieren der Beziehungen wieder fördern sollen. Der “Seminar-Tourismus” boomt. Wer es sich leisten kann, sucht sich Gemeinschaftserlebnisse im Salzkammergut, auf den Kanarischen Inseln oder in Portugal. Solche Begegnungsmöglichkeiten bleiben aber zeitlich begrenzt und das Gelernte kann selten zu Hause angewendet werden, weil hier die Gemeinschaft der Gleichgesinnten fehlt. Gemeinschaft hat in früheren, gelungenen Kulturen immer im eigenen Dorf stattgefunden. Das wieder zu ermöglichen bedeutet Innovation.
Beim Leben in Gemeinschaft sollen durch regelmäßige gemeinsame Aktivitäten viele Möglichkeiten zur Begegnung und Berührung miteinander angeboten werden. Jahreszeitenfeste feiern, gemeinsam an etwas arbeiten oder miteinander Joggen gehen, können solche Berührungspunkte sein. Auch Krankheit, Geburt und Tod, oder andere Lebensveränderungen sind Ereignisse, die von der ganzen Gemeinschaft anerkannt und bewusst erlebt werden sollen. Eine Gruppe in der Gemeinschaft übernimmt die Rolle der InitiatorInnen und schafft den jeweils angemessenen Rahmen, in dem die Übergänge erlebt und gefeiert werden können. Wichtig ist, dass die Bedürfnisse des/der Einzelnen die Grundlage bilden für alles Gemeinsame, das in der jeweiligen Dorfgemeinschaft entsteht.
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6.Berücksichtigung von Individualität und Privatsphäre
Eine notwendige Voraussetzung, damit Gemeinschaft gelingt, ist die Berücksichtigung von Individualität und Privatsphäre. Betrachtet man die menschliche Entwicklung aus evolutionärer Sicht, so hat sich der Mensch in den letzten Jahrtausenden von einem Rudelwesen zu einem egozentrierten Individuum entwickelt, was zur Folge hatte, dass er fähig wurde, eigenverantwortlich zu handeln. Musste sich früher das Einzelwesen unausweichlich dem Gruppenkonzept unterordnen, wurde es in den letzten Jahrhunderten zunehmend schwierig, Menschen in ein kollektivistisches Korsett zu zwingen, wie man es am Beispiel des gescheiterten realen Kommunismus sehen konnte.
Erst aus der Entwicklung zum Individuum heraus, kann ein nächster Impuls im Menschen entstehen, der ihn, nun auf einer höher entwickelten Ebene, wieder hinführt zur Verantwortungsübernahme in einer Gemeinschaft. Das neue Paradigma heißt: “Wir sind eine Gemeinschaft von Individuen”. Jede/r bringt ihre/seine individuellen Fähigkeiten und Vorlieben als Bereicherung in die Gemeinschaft ein, ohne die eigene Identität und Individualität dadurch zu schmälern. Das heißt konkret, jede/r Teilnehmer/in am Gemeinschaftsleben gestaltet sich die privaten und die gemeinschaftlichen Räume ausschließlich auf Grundlage seiner/ihrer persönlichen Bedürfnislage. Dieser Prozess muss so flexibel gestaltet sein, dass auch jederzeit Veränderungen der Wohnsituation möglich sein müssen, da sich ja auch die individuelle Bedürfnislage im Laufe eines Lebens mehrmals verändern kann.
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7. Integration benachteiligter Menschen in die Gemeinschaft
Bereits bestehende Konzepte, wie “Betreutes Wohnen auf Bauernhöfen” oder die “Psychiatrische Familienpflege” sind geeignet, auch in einem Gemeinschaftswohnprojekt Einzug zu finden. Auch das Mitleben eigener, pflegebedürftiger Angehöriger sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Beim Leben in Gemeinschaft ist in den genannten Fällen die verantwortliche Person, die beispielsweise einen chronisch psychisch kranken Menschen in private Pflege übernimmt, umgeben von einem menschlichen Netzwerk in erreichbarer Nähe, sodass Überforderung und Burn-Out vermieden werden können, noch bevor sie entstehen. Auch einen alten, pflegebedürftigen Menschen zu betreuen, ist wesentlich anstrengender, wenn ich alleinige Bezugsperson bin und alle Unannehmlichkeiten selbst bewältigen muss. Das Leben in Gemeinschaft bietet auch dem pflegebedürftigen Menschen viele Möglichkeiten der Begegnung und entlastet ihn von den Schwierigkeiten in Pflegeheimen und Behinderten-Wohngemeinschaften. In der Gemeinschaft verteilt sich nicht bloß eine eventuelle Belastung auf die Gruppe und wird leicht bewältigbar, sondern es wird vermutlich sogar der positive Effekt entstehen, dass die behinderte Person eine Bereichung ist, weil sie nicht mehr als Last erlebt wird.
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8. Integration ins örtliche Gemeindeleben am jeweiligen Standort
Bereits bei der Wahl des Standortes muss die jeweilige Gemeinde miteinbezogen werden. Zur Zeit fallen innovative Ideen bereits allerorts auf fruchtbaren Boden. Verantwortliche, kommunale PolitikerInnen müssen nicht mehr überredet werden, nachhaltige Konzepte zu unterstützen. Jedoch ist es wichtig, die örtlichen Gegebenheiten bereits in der Planungsphase zu berücksichtigen. Vorhandenes Know-How muss genutzt werden. Nur durch die Kooperation aller Beteiligten kann ein Prozess gegenseitiger Befruchtung entstehen, der nachhaltig die Integration ins Gemeindeleben fördert.
Offenheit gegenüber Nachbarn und BewohnerInnen in der Umgebung führt zu gegenseitigem Vertrauen. “Das Neue” ist nur solange bedrohlich, bis ich es kennen gelernt habe. Durch Einbeziehen der umliegenden Bevölkerung in die Aktivitäten der DorfbewohnerInnen (z.B. Jahreszeitenfeste) entsteht Gemeinschaft auch über die Dorfgrenzen hinaus.
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Ökologische Aspekte
9. Biologische energiesparende Bauweise bei allen baulichen und sanitären Anlagen
Durch eine integrierende Planung der Wohngebäude sollen ökologische, baubiologische und energiesparende Konzepte zur Anwendung kommen. Dabei wird auf das vielfältige Wissen des Energiesparverbandes, sowie des Institutes für Baubiologie und Ökologie IBO zurückgegriffen werden. Die passive Nutzung der Sonnenenergie wird oberste Priorität bei der Planung haben. Glasdächer und Anlehngewächshäuser sollen hier nur beispielhaft angeführt sein. Strohballenbauweise, Lehm- und Holzbau soll je nach Sinnhaftigkeit zur Anwendung kommen und die Verwendung von nachwachsenden und örtlichen Baustoffen fördern.
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10. Pflanzenkläranlagen zur Abwasserreinigung
Wasser ist ein kostbares Gut. Obwohl wir davon in Oberösterreich genügend haben, können volkswirtschaftlich Ressourcen eingespart werden. Die Pflanzenkläranlagen werden nach dem letzten Stand der Wissenschaft und Technik errichtet. Bestehende Beispiele, auch für größere Wohnanlagen, gibt es bereits in Oberösterreich (Bad Zell). Kompost-WCs sollen zumindest im Erdgeschoss eingerichtet werden. Diese wassersparenden Humus-Toiletten erleichtern die Wartung der Pflanzenkläranlagen. Sie sind zwar gewöhnungsbedürftig, aber wie die Erfahrungen aus verschiedenen Ländern zeigen, lernen die Anwender schnell damit umzugehen. Nur aus den oberen Stockwerken muss die Klosett-Entsorgung mit Hilfe von Wasserspülungen vonstatten gehen. Dabei soll Regenwasser verwendet werden. Zum Duschen und Wäschewaschen dürfen ausschließlich biologisch abbaubare Wasch- und Reinigungsmittel verwendet werden. Die vorhandenen Technologien sind bereits ausgereift und im Masseneinsatz erprobt worden.
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11. Gemeinschaftliche Nutzung von Fahrzeugen, Waschmaschinen und Geräten
Zusätzlich zu den, in Pkt. 3 (Soziale Aspekte) beschriebenen Vorteilen, verringert die gemeinschaftliche Nutzung sowohl Anschaffungs- als auch Betriebsaufwendungen, womit der Energieverbrauch in allen Bereichen optimiert und damit gesenkt werden kann. Durch gemeinschaftliche Nutzung wird auch der absolute Ressourcenverbrauch der Bewohner gesenkt. Es entsteht weniger Sperrmüll und Sondermüll.
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12. erneuerbare Energien zur Wärme- und Elektrizitätserzeugung
Was trotz rigoroser Verwendung von passiver Sonnenenergie zusätzlich an Wärme und Elektrizität notwendig ist, soll mithilfe von Heizanlagen für nachwachsende Energieträger (Holz, Biomasse, Wärmekraftkoppelung), Sonnenkollektoren, Fotovoltaik, und wenn möglich auch mittels Windkraft erzeugt werden.
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13. Regenwassernutzung
Sammelbecken, Pumpen und Wasserzuleitungen zu den WCs und Waschmaschinen werden errichtet. Auch hier gibt es bereits eine erprobte Technik, auf die zurückgegriffen werden kann. Der Überschuss wandert in die verschiedenen Teichanlagen und wird von dort aus auch zur Bewässerung des Permakultur-Gartens verwendet.
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14. Biologischer Landbau in Form vonPermakultur zur Selbstversorgung
PERMAKULTUR = nachhaltige Landwirtschaft in Harmonie mit der Natur ist eine von Naturvölkern auf den unterschiedlichen Kontinenten seit Jahrtausenden praktizierte Form von Landbewirtschaftung. David Holmgreen und Bill Mollison (alternativer Nobelpreisträger) entwickelten 1974 auf dieser Basis ein neues Konzept für ein nachhaltiges Landbewirtschaftungsmodell, das auf einer vielfältigen Kultur von Nutzpflan-zen, mehrjährigen Bäumen, Sträuchern, Gemüse, Wildkräutern, Pilzen und Wurzelsystemen basiert und nannten es Permakultur.
Das Wort “Permakultur” ist aus der Verknüpfung der beiden Begriffe “Permanent” und “Agriculture” entstanden und ist die Antwort auf die, in den letzten Jahrzehnten begonnene Energieverschwendung in den hochspezialisierten und mechanisierten landwirtschaftlichen Produktionssystemen, die durch ihren Industrie-Charakter zunehmend den Bezug zur Natur verloren haben.
Die kürzeste und wohl schönste Definition ist wohl die vom Australier Bill Mollison: “Permakultur ist das Schaffen von kleinen Paradiesen hier auf der Erde.” Sie bedeutet die Nachbildung natürlicher Landschaften voller essbarer Früchte und Gemüse mit genügend Platz für Tiere und Pflanzen in Lebensgemeinschaft mit dem Menschen. Eine “paradiesische” Vorstellung!
Die ideale Permakultur speichert Regenwasser und Sonnenenergie, nutzt sie sparsam und effektiv, verbessert die Bodenfruchtbarkeit und verwendet die Abfälle der einen Tier- oder Pflanzenart als Rohstoffe für die nächste. Sie ordnet Tiere und Pflanzen so zueinander, dass ihre Bedürfnisse fast ohne menschliches Zutun erfüllt sind. In einem solchen System versteht sich der Mensch nicht als Meister einer kurzfristigen, ausbeuterischen Ertragsmaximierung, sondern als Hüter und Beobachter von Zyklen und Gesetzen, die lange vor ihm entstanden sind, und lange nach ihm wirken werden.
Um die Bedeutung des Permakultur-Konzeptes zu veranschaulichen könnte man sagen, es stellt fast alles, was das jetzige Agrarsystem auszeichnet, auf den Kopf. Anstatt landwirtschaftliche, forstwirtschaftliche, wassertechnische, städtische, bauliche, räumliche und soziale Bestandteile einer Planung getrennt voneinander zu behandeln, wie es heute meistens üblich ist, zielt ein Permakultur-Entwurf darauf ab, alle Elemente so miteinander zu verbinden und zu überlagern, dass Arbeit- und Energieeinsatz minimiert, aber der Gesamtertrag optimiert wird. Permakultursysteme zeigen, wie sich jeder mit einem geringen Platz- und Zeitaufwand, aber einem neuen Verständnis für natürliche Kreisläufe, selbst versorgen und gleichzeitig Energie, Wasser und nicht erneuerbare Rohstoffe sparen kann.
Wichtig ist, dass Permakultur nicht einfach als eine neue Technik verstanden wird. Bücher über Techniken zu verschiedenen Elementen (Energie, Wasser, Luft, Grünland, ökologischer Landbau, Baubiologie, usw.) gibt es genug und jeder gute Ansatz ist wichtig. Im Sinne von Nachhaltigkeit muss jedoch der wichtigste Schritt jetzt folgen, nämlich die Integration, Synthese und Überlagerung all dieser Teilaspekte in ein Ganzes, das ohne weiteren Energieeinsatz Lebensmittel und Lebensqualität “permanent”, also nachhaltig erzeugt. Solche Strategien sind bisher viel zu wenig beschrieben und längerfristig erst punktuell erprobt.
Permakultur kann als Weiterentwicklung des Biolandbaus verstanden werden, von dem sie sich jedoch in einigen Punkten sehr unterscheidet. Zum Beispiel durch den minimalem Einsatz von Fremdenergie (fossile Energie ), oder das Übernehmen von Funktionen durch mehrere Elemente gleichzeitig, was für die Stabilität eines Systems entscheidend ist. So gewinnt man Nahrung aus einer vielfältigen, produktiven, essbaren Landschaft statt aus Spezialisierung auf ein oder wenige Produkte.
Permakultur ist auch in Oberösterreich kein Hirngespinnst und keine Träumerei mehr. Viele an der Natur interessierte und mit der Natur lebende Menschen in Oberösterreich praktizieren bereits Permakultur, ob in kleinen Hausgärten oder als landwirtschaftliches Gesamtkonzept. Einige Menschen tun das sogar unwissentlich, ohne überhaupt jemals von Permakultur gehört zu haben, wie ursprünglich auch der inzwischen berühmt gewordene Salzburger “Agrar-Rebell” Sepp Holzer.
Permakultur muss an jedem Ort individuell ausprobiert und verändert werden. Sie muss sich den örtlichen Umständen und dem Standort anpassen, dann ist sie allerorts ein Werkzeug das Nachhaltigkeit und Stabilität für die Lebensgemeinschaften des Menschen mit der Natur ermöglicht.
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15. Anwendung von Geomantie und anderen energetisch wirksamen Grundsätzen
Rutengehen gilt nicht mehr als okkultes Gedankengut. Spätestens seit Geomanten durch das gezielte Setzen von Steinen Unfallhäufungsstellen entschärfen, ist die Methode zum Auffinden von Erdstrahlung in weiten Kreisen der Bevölkerung anerkannt. Auch Wohnungsgenossenschaften wenden bereits dieses Wissen an und Architekten planen die Lebensbereiche eines Hauses je nach günstigen, bzw. ungünstigen Strahlungsbedingungen.
Dass ein Ökodorf nicht ohne die vorherige Begehung durch einen Experten entstehen kann, scheint vor diesem Hintergrund selbstverständlich.
Aber auch die Erkenntnisse aus dem Fernen Osten, die bei uns unter dem Namen Fengh Shui bekannt geworden sind, sollen Berücksichtigung finden. Wendet man dieses viel erprobte Wissen an, entsteht allein durch die Anordnung der Räume und Einrichtungsgegenstände eine angenehme Atmosphäre, die die Lebensqualität der BewohnerInnen nachhaltig verbessern kann.
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Ökonomische Aspekte
16. Abwicklung des Bauvorhabens durch eine Wohnungsgenossenschaft nach Gemeinnützigkeitsgrundsätzen
Da es derzeit in Oberösterreich fast unmöglich ist, für landwirtschaftliche Gebäude Umwidmungen in Bauland zu erreichen, und die Wohnungsbegrenzung mit 4 Wohnungen pro Hof (max. 10 Wohnungen mit Sonderausweisung, die schwer zu bekommen ist), kann auch ein Ökodorf nicht in aufgelassenen Bauernhöfen errichtet werden, so sinnvoll ein solcher Standort auch erscheinen möchte. Die hohen Baulandpreise lassen Ökodörfer als Privatinitiativen aber auch auf Bauland scheitern, wenn sich nicht ein potenter Geldgeber findet, der als Sponsor auftritt. Die Grundsätze von Ökologie, Nachhaltigkeit, Gemeinschaft und Leben in der Natur, lassen sich nicht als reines flächensparendes Wohnprojekt abgewickeln.
Sinnvoll ist es daher, die Agenden Wohnbau und Landbau kooperierend zu verknüpfen. Ein Grundstück (Bauland) muss gefunden werden, das von landwirtschaftlichen Flächen umgeben ist, die gekauft oder gepachtet werden können. Dann wird es auch für Ökodörfer sinnvoll, die Wohnhäuser mithilfe einer Wohnungsgenossenschaft errichten zu lassen. Das Wissen über Bauabwicklung und Fördermöglichkeiten ist dort bereits vorhanden. Eine Struktur zur Hausverwaltung steht zur Verfügung sowie Wissen über Mietrechtsgesetz, Wohnungseigentum, Miet-Kauf, etc. Die Rechtsgestalt einer Wohnungsgenossenschaft ist am besten geeignet, Mietverhältnisse zu begründen. Auch auf dem Sektor des gemeinnützigen Wohnungsbaues haben sich in den letzten Jahren neue Aufgaben ergeben. Ökologische Grundsätze werden angewendet. Die Planung und Errichtung der Wohnungen orientiert sich immer mehr am zukünftigen Mieter, bzw. Eigentümer. Genossenschaften kümmern sich vermehrt auch um die sozialen Probleme in ihren Anlagen und sind offen für Veränderungen, die das Zusammenleben der BewohnerInnen verbessern sollen.
Indem ein Ökodorf von einer gemeinnützigen Wohnungsgenossenschaft unter Berücksichtigung sozialer und umweltrelevanter Aspekte als Pilotprojekt errichtet wird, soll gezeigt werden, dass sozialer Wohnbau eine neue Dimension erreichen kann Leben in Gemeinschaft in und mit der Natur.
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17. Verwendung von Fördermittel von Land und Bund
Die derzeitige Förderlandschaft bietet bereits viele Möglichkeiten der Subjekt- und Objektförderung auf der Ebene der Länder, des Bundes und der EU. Diese gesetzlichen Möglichkeiten der Unterstützung machen die Errichtung ökologisch unbedenklicher Häuser erschwinglich. Die Förderungen zielen auch darauf ab, Folgekosten zu minimieren und volkswirtschaftlich wichtige Akzente zu setzen.
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18. Einsparungen durch Synergieeffekte des Gemeinschaftslebens (zB. Pflegeaufgaben)
Die in den Punkten 1 - 3 beschriebenen sozialen Effekte des Gemeinschaftslebens, haben ein unübersehbares ökonomisches Einsparungspotential für die Gesellschaft, sieht man allein die sozialen Aufgaben, die ältere Menschen im Ruhestand für die Gemeinschaft übernehmen können. Wenn die Pensionen auch real sinken, brauchen sich ältere Menschen, die in Gemeinschaften leben und dort ein integraler Bestandteil sind, keine Sorgen mehr um ihren Lebensstandard zu machen. Der sog. “Generationenvertrag” gilt immer dann in besonderem Maße, wenn die Menschen sich in persönlichen Beziehungen nahe stehen und dadurch gegenseitig Verantwortung übernehmen. Die soziale Sicherheit, die ein Leben in Gemeinschaft bietet, ist zutiefst persönlich und daher “unbezahlbar”.
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19. Weitgehende Unabhängigkeit bei der Energieerzeugung
Die in Pkt. 12 beschriebenen Methoden zur ökologischen Energiegewinnung sind heute bereits auf einem hohen technologischen Entwicklungsstand, vielseitig erprobt und am freien Markt bereits erschwinglich zu erwerben. Grundsätzlich gilt: Alles was eine Gemeinschaft an Energie einspart, braucht nicht erzeugt zu werden. Alles was selbst erzeugt wird, braucht nicht gekauft zu werden.
Auch bei der Herstellung der Baumaterialien kann ein hohes Einsparungspotenzial beim Energieaufwand erzielt werden. Durch die Verwendung baubiologischer Materialien aus der eigenen Region, werden neben dem ökologischen Effekt auch regional Arbeitsplätze gesichert und Entsorgungskosten eingespart.
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20. Mögliche Einsparungen auch durch die Selbstversorgung mit Lebensmittel
Die Vergeudung von Lebensmitteln in unserer Zeit hat enorme Ausmaße angenommen. Sogenannte “Überschüsse” werden laufend produziert, als Folge der freien Marktwirtschaft die sich nur am höchstmöglichen Gewinn orientiert. Nicht verkäufliche Ware wird nicht selten groß angelegt vernichtet, um “den Markt” nicht zu stören und die Preise hoch zu halten. Die Abhängigkeit der Produzenten von der Marktlage hat geradezu gefährliche Dimensionen angenommen und der harte Konkurrenzkampf lässt nur “den Stärksten” überleben. Von einem verantwortungsvollen Umgang mit natürlichen Ressourcen kann da nicht mehr die Rede sein.
Die einzige Möglichkeit derzeit aus diesem Vergeudungskreislauf auszusteigen, ist die Bildung möglichst kleiner, regionaler Wirtschaftsstrukturen in überschaubaren Gemein-schaften mit hohem Selbstversorgungsanteil.
Nebenbei kann dadurch auch ein ethischer Gesichtspunkt realisiert wird, nämlich der Verzicht auf Lebensmittel aus Dritte-Welt-Ländern. Die natürlichen Ressourcen dieser Länder nicht weiter zu plündern, wird sich auch auf unsere Hemisphäre bald positiv auswirken.
Das Leben in Gemeinschaft soll ein Experimentierfeld sein, auf dem soziale Gerechtigkeit auch auf dem Feld von Produktion und Wirtschaftlichkeit Einzug halten kann.
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21. “Handeln” innerhalb der Gemeinschaft, mit Erweiterungsmöglichkeit in die Gemeinde.
“Ökosoziales” Wirtschaften im Sinne einer christlichen Ökonomie, versteht sich in einer funktionierenden Gemeinschaft zunächst als großzügiger Verzicht auf persönliche Bereicherung des Einzelnen, führt jedoch ohne Umschweife zu mehr Wohlstand aller Beteiligten, vom Säugling bis zum Greis. In der Geschichte ist dieser Effekt zahlreich belegt. Hier einige Beispiele:
Die Kollektive im spanischen Bürgerkrieg (Quelle: Meyer)
Klöster- und Ordensgründungen im Mittelalter (ebd.)
Das Experiment “Wörgel” in der Zwischenkriegszeit in Tirol (Quelle: Kennedy)
(Siehe dazu auch Teil II - Strategie C)
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22. Geringere Gesundheitskosten durch ein erfülltes Leben in der Gemeinschaft
15 % der Menschen in der westlichen Welt erleiden im Laufe ihres Lebens eine oder mehrere krankheitswertige depressive Phasen. In 20 Jahren werden es 30 % sein. Das stellt Jorgos Canacakis, italienischer Psychologe und Trauer-Forscher, in Aussicht. Aber nicht nur die psychischen Störungen sind im Steigen begriffen. Auch stressbedingte körperliche Krankheiten zeugen von Überforderung durch die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Zwänge unseres zunehmenden “Radikalkapitalismus”. Vereinzelung, “Jugendwahn”, “Kaufzwang”, zerbrochene Familien, Arbeitslosigkeit, sind nur einige Schlagwörter die veranschaulichen sollen, wie zunehmend schwierig es für den/die Einzelne/n geworden ist, seine/ihre persönliche Lebenssituation zu bewältigen.
Findet man in einer funktionierenden Gemeinschaft die notwendige, persönliche Unterstützung, verschwinden, Stress, existenzielle Ängste und Überforderungssyndrom ganz von selbst. Die Zugehörigkeit zu einer Bezugsgruppe erhöht die soziale Sicherheit. So entsteht seelische Gesundheit, die auch die Voraussetzung ist, für ein gesundes Immunsystem und damit für langfristige körperliche Gesundheit des Menschen.
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4. Ausgangslage in Oberösterreich
Für jeden der genannten Punkte gibt es verschiedene Strategien zur Verhinderung sozialer Härten, die regional angewendet werden. Die Gesamtentwicklung jedoch, die ein Ergebnis des Bestrebens nach der globalisierten Gewinnmaximierung darstellt, konnte bisher noch von keiner Regierung abgewendet werden.
Das vorliegende Projekt ist als lösungsorientiertes Gesamtmodell zu verstehen, das beispielhaft zeigen will, wo der Weg aus der Krise beginnen könnte.
Teil II
Möglichkeiten der Anwendung der enthaltenen Grundsätze
auf das zukünftige Leben in Oberösterreich
5. Strategien für die Zukunft
“Ökosoziale Leitlinien”
Strategie A: Biotope in der Natur für Menschen
Viele Vorraussetzungen zum nachhaltigen, das heißt, keine Spuren hinterlassenden Leben in der Natur, sind in den letzten Jahren und Jahrzehnten geschaffen worden. Der Mensch hat mithilfe neuer Technologien gelernt, ebenso sorgsam mit der Natur umzugehen, wie wildlebende Säugetiere das instinktiv können. Man kann nicht mehr sagen, der Mensch wäre ungeeignet, die Natur zu bewohnen. Wenn wir uns mit dem heutigen Wissen in kleineren Gruppen (30 100 Menschen) zusammentun, leidet die Natur nicht mehr unter dem Menschen, wie wir das noch vor 20 Jahren gesehen haben. Im Gegenteil! Der Mensch könnte in positiver Weise für die Belebung des Landschaftsbildes sorgen und in Permakultur-Gärten zur Erhaltung der Artenvielfalt beitragen.
Energie kann bereits fast zur Gänze autark erzeugt werden. Bald sind Stromleitungen überflüssig. Wärme stammt aus Sonne und erneuerbaren Energiequellen. Fahrwege für Autos werden zwar weiterhin nötig sein, durch das Leben und Arbeiten in einem Ökodorf werden die notwendigen Fahrstrecken geringer und für die noch zu bewältigenden teilt man sich die Fahrzeuge und fährt Kurzstrecken mit “Treibstoff” aus der Solaranlage (Elektro-Autos).
Mit Permakultur-Gärten umgebene dörfliche Wohnanlagen sind wunderbare Biotope für Menschen. Sie gestalten zwar die Natur um, entwickeln ihren Sinn aber ausschließlich wenn sie mit der Natur zusammenarbeiten, statt gegen sie, wie es in der herkömmlichen Landwirtschaft leider im letzten Jahrhundert Usus war. Der Permakultur-Waldgarten ist ein Paradies, nicht nur für Menschen, ein Schonraum wo es sich leben und arbeiten lässt, wo Erholung nicht erst durch zurücklegen einer langen Fahrtstrecke erlebt werden kann, sondern direkt vor der eigenen Haustüre.
Das Konzept von “unerwünschter Zersiedelung”, das jahrzehntelang verhindert hat, dass Menschen zu erschwinglichen Preisen ein Stück Land zum Bewohnen erwerben konnten, darf demnächst, wenn Nachhaltigkeit in die gesetzlichen Bauvorschriften eingeflossen ist, der Vergangenheit angehören. Der Mensch ist dem Reh gleichzusetzen, wenn er so sorgsam mit der Natur umgeht, wie dieses. Das Reh darf das Land bewohnen - auch der Mensch muss diese Erlaubnis zurück bekommen! (Siehe auch Beilage 4: Artikel “Siedlungspolitik und ländliche Kurorte im Hochschwarzwald”)
> nötige gestzliche Änderungen
Strategie B: Leben in Gemeinschaft auch in bestehenden Wohnanlagen
Wohnungsgenossenschaften sind bereits vor 100 Jahren zu dem Zwecke entstanden, Wohnen für jeden Menschen erschwinglich zu machen. Nur indem sich viele zusammenschlossen, konnten Wohnungen auf teuren Stadtgrundstücken auch für weniger situierte Menschen errichtet werden. “Sozialer Wohnbau” heißt in diesem Zusammenhang: “Wohnbau für sozial schwache Bevölkerungsschichten”. Durch die viel zu hohen Grundstückspreise kam es zum Bau von Stadtrandsiedlungen, die auf wenig Grund mit möglichst vielen Geschossen eher zu “a-sozialen” Orten entartet sind, als dass sie ihrem Wortlaut gemäß “sozial” genannt werden könnten. Die Lebensqualität in diesen Siedlungen soll durch die untenstehenden Maßnahmen verbessert werden. Bei der Errichtung neuer Wohnanlagen soll bereits bei der Planung in diesem Sinne vorgegangen werden.
Durch die Ökodorf-Idee sollen Wohnungsgenossenschaften inspiriert werden, in bestehenden Wohnanlagen durch bauliche Adaptierung und aktive Gemeinwesenarbeit Leben in Gemeinschaft zu initiieren. Dazu braucht es einen örtlichen Verein (Leben in Gemeinschaft steht dafür zur Verfügung), der aktiv die vor Ort lebenden Menschen zusammenführt und ihnen die Vorzüge eines Gemeinschaftslebens einladend schmackhaft macht. Grünanlagen sollen zu blühenden Permakultur-Gärten werden, Teiche, Nutzbäume und -sträucher, wie Kirsche, Äpfel und Nussbäume, Stachelbeere, Johannisbeere, usw., in gemeinschaftlich genutzten Gärten und Höfen, sollen die Menschen veranlassen, näher zu rücken, Verantwortung für die Freibereiche zu übernehmen und dadurch langsam auch lernen, wieder Verantwortung füreinander zu übernehmen. Auch die gemeinsame Nutzung des Ertrages, den der Garten ermöglicht, ist ein wichtiges Aktionsfeld, in dem Gemeinschaft wachsen kann. Ein Schwimmteich in der Wohnanlage etwa, zwingt die Menschen dazu, miteinander auszuhandeln wie die Gestaltung und die Nutzung aussehen sollen. Dies führt unweigerlich zu Bekanntschaften und in der Folge zum besseren Kennenlernen der Nachbarn und als nächstes zu gegenseitiger Hilfestellung.
Genutzt werden können die vorhanden Strukturen der HaussprecherInnen, allerdings aufgewertet im Sinne eines “Dorfvorstehers” / einer “Dorfvorsteherin”, wie es in Baden- Würtemberg üblich ist. Diese sind nicht mit Entscheidungsgewalt auszustatten, sondern mit besonders hoher sozialer Kompetenz und der Fähigkeit konsensuale Lösungen zustande zu bringen. Mit Unterstützung von ProjektmanagerInnen und KommunikationstrainerInnen können auf diesem Wege nach und nach auch in urbanen Strukturen wieder gutnachbarliche Beziehungsgeflechte entstehen, die lt. WHO nachweislich die Gesundheit der Menschen erhöhen.
> nötige gestzliche Änderungen
Strategie C: Handeln und Wirtschaften in der Gemeinschaft
“Handeln” im Sinne der menschlichen Grundbedürfnisse ist nicht auf finanziellen Profit ausgerichtet, sondern auf die Versorgung der Menschen. Werden die natürlichen Sicherheits-bedürfnisse mithilfe eines funktionierenden sozialen Netzwerkes wieder befriedigt, verschwinden auch der Drang, Vermögen anzuhäufen und andere Ersatzbefriedigungen, die auf Angst gründen. Wenn immer mehr Menschen in der Sicherheit überschaubarer Netzwerke und Gemeinschaften leben, wird sich das nur auf einen Faktor negativ auswirken, nämlich auf die Wachstumszahlen der globalen Wirtschaft. Wie man heute deutlich sieht, kommen diese Wachstumszahlen dem einfachen Bürger aber ohnehin nicht zugute. Der Bürger zahlt Zinsen und Steuern (die leider auch zu großen Teil zur Zinsenbedienung verwendet werden müssen) und erlebt real Einkommenseinbußen statt Steigerungen, wie das Wirtschaftswachstum es suggerieren möchte.
Es ist an der Zeit, den Handel ohne Proiftdenken regional wieder “blühen” zu lassen. Viele Beispiele aus der Geschichte belegen, dass Handel ohne Zinsen automatisch zu mehr direktem Wohlstand der handelnden Menschen führt. Das Motto “Es ist genug für alle da!”, kann nur erlebt werden, wenn in Zukunft das Horten von Geld und Land nicht mehr durch Zinsen belohnt wird. Eine künstliche Verknappung von Geld und Land durch Horten, erhöht die Preise und lässt die “Besitzenden” immer reicher werden und die Armen immer ärmer.
Das Wirtschaften ohne Zinsen kann im Kleinen versucht werden und besteht darin, zumindest innerhalb der Gemeinschaft einmal ganz auf die Verwendung von Geld zu verzichten. Ein Ökodorf bietet das notwendige Experimentierfeld um Geben und Nehmen in diesem Sinne angstfrei erleben zu können. Ein tiefer Sinn für Gerechtigkeit ist dem Menschen eigen. In einer überschaubaren Gruppe ermöglicht das sogenannte “soziale Gedächtnis” Schuldigkeiten direkt mit den Betroffenen auszuhandeln. Erste Versuche im deutschsprachigen Raum zeigen, dass Geben und Nehmen in überschaubaren Gemeinschaften, ohne aufzuschreiben und gegen zu rechnen, unterm Strich den Wohlstand aller erhöht. (Quelle: Meyer).
Die Grundvoraussetzung lautet:
Permanente soziale Rückkoppelung im direkten menschlichen Kontakt.
Ein reifer erwachsener Mensch fühlt sich in Wahrheit wohler, wenn er etwas beitragen kann, statt etwas von den Anderen zu brauchen. Daraus entsteht Reichtum für alle.
Ein Ökodorf kann diesen christlich-ökonomischen Aspekt, “teilen statt horten”, in die Gesellschaft einbringen, wenn es sich mit dem lokalen Wirtschaftsleben vernetzt und zeigt, dass Wohlstand auch dann entsteht, wenn niemand Profit erwirtschaften will. Erst dann beginnen alle zu profitieren. Die christliche Botschaft hat ursprünglich versucht, diesen Gedanken in der Gesellschaft zu implementieren, was nicht gelungen scheint. Die “New-Age”- und “Öko-Szene” versucht nun einen neuen Anlauf mit dem selben Thema, nur diesmal unterstützt von einer Informationstechnologie, die die ersten Christen noch nicht zur Verfügung hatten. Es bleibt zu hoffen, auch wenn es heute noch wie Utopie klingt, dass Wirtschaften ohne Zinsen, und damit ohne die Bereicherung anonymer Geldbesitzer, noch in diesem Jahrhundert verwirklicht werden kann. Das Ökodorf soll dafür die ersten Erfahrungen ermöglichen.
> nötige gestzliche Änderungen
“Steuern” und “Sozialversicherungen” in Gemeinschaften
“Steuern” sind im Grunde die Beiträge des Einzelnen zum Gelingen der Gemeinschaft. Je größer die Gemeinschaft, umso weniger Bezug hat der Einzelne zu der Verwendung seiner Beiträge. Es entsteht eine gewisse Unlust, Steuern zu zahlen, damit durch die sog. “Umverteilung” irgend ein anonymer Mensch, der weniger erfolgreich ist als ich, auch überleben kann. So gibt es die “Sozialschmarotzer”-Debatte nur deshalb, weil ich den Nutznießer meiner Steuern und Beiträge nicht persönlich kenne und ich mich daher von diesem ausgenutzt fühle. Schließlich plage ich mich ja auch täglich aufs Neue, um mein Überleben zu sichern. Die “Plage” des Beihilfenbeziehers ist mir jedoch nicht bekannt. “Wer weiß, der macht es sich vielleicht leicht?” ist meine Befürchtung.
Es gibt in den USA ein Experiment für eine Krankenversicherung, in der die Versicherten sich in überschaubaren Gruppen kennen lernen und sich mit dem Ziel der gegenseitigen, persönlichen Unterstützung regelmäßig treffen. Die Versicherung investiert viel in diese Treffen, denn der Effekt ist, dass die TeilnehmerInnen weniger krank sind! (Quelle: Cahn)
Wie können Steuern im Gemeinwesen aussehen, wenn nicht mit Geld gehandelt wird?
In einer ländlichen, überschaubaren Kommune mit bis zu 2000 Einwohnern, sind “Abgaben” in gemeinschaftliche Töpfe denkbar, die auch aus Naturalien bestehen können. Mitarbeit bei der eigenen Straßenerrichtung zum Beispiel. Das ist derzeit reine Utopie. Der Gedanke macht aber deutlich, wofür Steuern und Abgaben grundsätzlich gedacht sind, nämlich zur Aufrechterhaltung der Erfordernisse einer Gemeinschaft.
In einem Ökodorf, in dem das Leben in Gemeinschaft wieder im Vordergrund steht, werden viele Zuwendungen, die jetzt durch den zentralistischen Sozialstaat über Steuereinnahmen an die bedürftigen BürgerInnen rückverteilt werden, nicht mehr notwendig sein.
Eine Übergangslösung könnte folgendermaßen aussehen (ein Beispiel):
Per Gesetz wird es Gruppen ab einer Größe von 50 Personen, die sich selbst organisieren, ermöglicht, aus Teilen der Sozialversicherung auszusteigen, wenn sie im Gegenzug die Versorgung ihrer Mitglieder in diesen Belangen selbst übernehmen. Sichergestellt muss dabei sein, dass auch ein gewisser Teil sozial schwacher Menschen in der Gruppe integriert sind.
Übernimmt eine Gemeinschaft Verantwortung für ihre Mitglieder wieder selbst, erspart sie der öffentlichen Hand Ausgaben, und sollte dadurch die Erlaubnis erwerben, weniger Steuern und Abgaben zu zahlen.
6. Gesetzliche Änderungen
Für Strategie A: Biotope in der Natur für Menschen
Die Begriffe “Ökologisches Bauland” und “Ökologischer Wald” sollen als neue Land-Nutzung in die gesetzlichen Definitionen der Raumentwicklung einfließen.
Darunter ist zu verstehen:
Für Strategie B: Leben in Gemeinschaft auch in bestehenden und neuen Wohnanlagen
Die Vorraussetzungen für Landesförderungen für Einzelpersonen und Projekte sollen an das ökosoziale Leitbild angepasst werden.
Für Strategie C: Handeln und Wirtschaften innerhalb der Gemeinschaft
Das übergeordnete Ziel ist die Beendigung der Zinswirtschaft, und damit das Stoppen der Umverteilung von unten nach oben. Regional und im Kleinen kann dieser Prozess bereits heute begonnen werden.
7. Auswirkungen auf das Leben in Oberösterreich
Werden die drei genannten innovativen Strategien und die gesetzlichen Änderungen durchgeführt, sind folgende Auswirkungen auf das Leben in Oberösterreich zu erwarten, und zwar immer jeweils in dem prozentuellen Ausmaß, indem die Strategie bereits umgesetzt ist.
“Global denken, regional handeln” erweitert man diesen bekannten Grundsatz durch die Einführung “Ökosozialer Leitlinien”, kann Oberösterreich als beispielgebende Europaregion Vorreiter sein für ein besseres Leben.
Die Verfasser des Projektes des Vereins “Leben in Gemeinschaft” hoffen mit der vorliegenden Einreichung einen Beitrag für dieses Ziel geleistet zu haben.
8. Literaturliste
Bennholdt-Thomsen, Veronika / Müser, Mechthild / Suhan, Cornelia:
Frauen Wirtschaft Juchitan Mexikos Stadt der Frauen,
Frederking & Thaler, München 2000
Besemer, Christoph:
Zurück zur Zukunft? Utopische Kommunen - Anspruch und Wirklichkeit. Auswertung historischer Erfahrungen,
Ahde-Verlag, Berlin 1981
Bolnow, Otto Friedrich:
Mensch und Raum,
Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart/Berlin/Köln 1997
Börger, Renate:
Auroville Eine Vision blüht auf,
Connection, Niedertaufkirchen D, 1993
Cahn, Edgar / Goodwin, Neva:
Where Family Values Meet Economic Theory,
Artikel aus dem Internet, Januar 2002
Daly, Herman E.:
Wirtschaft jenseits von Wachstum. Die Volkswirtschaftlehre nachhaltiger Entwicklung
Verlag Anton Pustet D, 1999
de J. Hart, Robert A.:
Die Wald-Gärtnerei,
Piks-Verlag und Pala-Verlag D, 1994
Dufour, Francois / Bove, Jose:
Die Welt ist keine Ware. Bauern gegen Agromultis,
Rotpunktverlag, D, 2001
Eurotopia - Verzeichnis europäischer Gemeinschaften und Ökodörfer.
Hrsg. Ökodorf Sieben Linden, Poppau D, 2001, Auflage 2004
Fukuoka, Masanobu:
Der große Weg hat kein Tor,
Pala-Verlag, Darmstadt D, 1994
Fukuoka, Masanobu:
Die Suche nach dem verlorenen Paradies. Natürliche Landwirtschaft als Ausweg aus der Krise,
pala-verlag , Darmstadt D, 1999
Göttner-Abendroth, Heide / Derungs Kurt (Hg):
Matriarchate als herrschaftsfreie Gesellschaften,
Edition Amalia, Bern CH, 1997
Hitschfeld, Oswald:
Der Kleinsthof und andere gärtnerisch-landwirtschaftliche Nebenerwerbsstellen. Ein sicherer Weg aus der Krise,
OLV-Fachverlag für Garten und Ökologie, Xanten D, 2000
Kanatschnig, Dietmar / Ömer, Brigitte:
Grundlagen einer integrativen Umsetzung des nationalen Umweltplans für Österreich,
im Auftrag des BM f. Umwelt, Jugend u. Familie, Wien, 1996
Kanatschnig, Dietmar / Weber, Gerlinde:
Nachhaltige Raumentwicklung,
im Auftrag des BM f. Umwelt, Jugend u. Familie, Wien, 1998
Kennedy, Margrit:
Geld ohne Zinsen und Inflation. Ein Tauschmittel, das jedem dient,
Goldmann-Verlag, Steyerberg, D, 1994
Kleber, Gerda / Kleber, Eduard W.:
Gärtnern im Biotop mit Mensch. Das praktische Biogarten-Handbuch für zukunftsfähiges Leben,
OLV, organischer Landbau-Verlag, , Xanten D, 1999
Leadloff, Jean:
Auf der Suche nach dem verlorenen Glück Gegen die Zerstörung der Glücksfähigkeit in der frühen Kindheit,
Beck´sche Reihe, München 1987
Levi-Strauss, Claude:
Das wilde Denken,
Suhrkamp-Verlag, D, 1962
Meyer, Karl-Heinz:
Zukunftswerkstatt Gemeinschaftsprojekte,
PIKS-Verlag, Steyerberg D, 1992
Mollison, Bill / Holmgreen, David:
Permakultur - Landwirtschaft und Siedlungen in Harmonie mit der Natur,
PalaVerlag, Darmstadt D, 1984
Pfeiffer, Ehrenfried / Riese Erika:
Der erfreuliche Pflanzgarten,
Verlag am Goetheanum, Dornach CH, 1994
Reimer, Ingrid:
Verbindliches Leben in Bruderschaften, Kommunitäten, Lebensgemeinschaften
Quell-Verlag, Stuttgart 1986
Schneider, Dr. Anton:
Zukunftsfähige ökosoziale Bau- und Siedlungsformen,
Schriftenreihe Gesundes Wohnen, Institut für Baubiologie + Ökologie IBN, Neubeuern D, 1989
Shalmon, Shlomo:
Die Kommune Niederkaufungen. Portrait einer Großkommune im Landkreis Kassel,
Verlag Hans Jacobs, D, 1998
Somé, Sobonfu:
In unserer Mitte Kinder in der Gemeinschaft,
Orlanda-Verlag, Berlin 2000
Wild, Rebecca und Mauricio:
Demokratisches Geld für eine gerechtere Wirtschaft
Vortrag in Wels, 2002
Yunus, Muhammad:
Grameen - eine Bank für die Armen der Welt ,
Gustav Lübbe Verlag, deutsche Ausgabe 1998
Fachzeitschriften:
Wohnung + Gesundheit. Fachzeitschrift für ökologisches Bauen und Leben
Hrsg.: Institut für Baubiologie und Ökologie, Neubeuern D,
Nr. 93, 1999/2000; Nr. 101, 2001/2000; Nr. 102, 2002, Jahrgang 23.
KursKontakte Zeitschrift für inneres Wachstum Mit ständigem Sonderteil: Eurotopia Leben in Gemeinschaft; April/Mai 2003, 15. Jahrgang.
Permakultur Austria 7. Jahrgang, Nr. 23, März 2003
Hrsg.: Permakultur Austria, c/o Institut für Bodenforschung, Universität
für Bodenkultur Wien, 1180 Wien.
Regenwurm Die Zeitschrift für Bio- und Vegan-Interessierte
Hrsg.: BioVegan, Johann Strauß Gasse 33/7, A-1040 Wien
Nr. 8, Herbst 2001 Permakultur, kleine Paradiese schaffen
Nr. 10, Frühling 2002 Biologisch und Vegan Bauen
Nr. 11, Sommer 2002 Selbstbestimmung durch Selbstversorgung
Relevante Grundberufe und Weiterbildungen der Vereinsmitglieder
Das Einreichungsteam:
Ing. Berta Winkler
Ing. Barbara Strauch
Rosa Singer
Waltraud Punz,
Mag. Michaela Kornfehl
Franz Hörmannseder
Rudolf Gierer
Dipl.Ing. (FH) Gisela Bosch
Die acht Mitglieder des Einreichungsteams, sind Mitglieder des gemeinnützigen Vereins "Leben in Gemeinschaft", mit Sitz in Linz.
Ansprechperson:
Ing. Barbara Strauch (Vereins Obfrau)
Ziegeleistr. 35
4020 Linz
Tel: 0650 - 41 33 283
e-mail: barbara.strauch~aon.at